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Schaltjahr

 

Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit dem Begriff des Schaltjahres.

     
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Schaltjahr

Man bezeichnet als "Schaltjahr" ein Jahr, das einen oder mehrere Schalttage beinhaltet. Schalttage werden benötigt, weil unsere Zeitrechnung und das tatsächliche Naturjahr oder tropische Jahr - die Zeit, die die Erde benötigt, um die Sonne einmal zu umrunden - leicht auseinander gehen.

Kalender scheinen bei flüchtiger Betrachtung recht einfache Gebilde zu sein, aber wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, dass so etwas Einfaches wie die Einsetzung von Schalttagen sehr problematisch ist und durchaus zu ziemlichem Chaos führen kann. Daher ist es notwendig, erst einmal etwas über die Geschichte des Kalenders zu erfahren, damit man versteht, wozu wir Schaltjahre brauchen.

Julius Cäsar hat im Jahr 45 v. Chr. (nach anderen Zeitrechnungsbezeichnungen auch BCE "Before Christian Era" oder 712 AUC ab urbe condita  , seit der Gründung Roms) versucht, das Durcheinander im römischen Kalender zu sortieren. Seine Kalender-Kommission empfahl [1], ein Jahr mit 365 Tagen einzuführen. Davor hatte das eigentliche Jahr nur 304 Tage plus eine Winterperiode von unbestimmter Länge. Je nach Interessenlage gab es zusätzlich mal Zwischenmonate (für die auch Steuern zu entrichten waren!) von kurzer oder längerer Dauer. Dieses Jahr neuerer Art wird "julianischer Kalender" genannt.

Die Kommission kam zu dem Schluss, dass das Jahr 365,25 Tage lang war. Daher verfügte Julius Cäsar, dass es alle 4 Jahre den "sechsten Tag vor den Kalenden (Kalendae  ) des März" zweimal geben sollte, also den Schalttag. Die Römer hatten eine recht komplexe Art, die Tage zu benennen: Kalendae  war der Monatserste, Idus  war je nachdem der 13. oder 15. des Monats, und Nonae  war der 9. Tag vor Idus [2]. Man sprach vom "5. Tag vor Nonae", "4. Tag vor Nonae", oder eben vom "6. Tag vor Kalendae". Der doppelte Tag, auch bissextum  genannt (der doppelte sechste), entspricht also dem 24. Februar und nicht dem 29., der sicherlich von den meisten Leuten als Schalttag angesehen wird!

Der Grund dafür, diesen doppelten Tag (und eben keinen Extratag) einzuführen, war der, dass jeder trotz Schalttag seinen Geburtstag oder Namenstag oder was auch immer haben sollte. Statt dass am Schalttag geborene Kinder nur alle vier Jahre ihren Geburtstag feiern, können sie also jedes Jahr feiern, nämlich am VI a. Kal. Mart.   - diesen Tag gibt es eben je nach Jahr nur einmal oder auch zweimal! Insbesondere sieht man, dass Schalttagskinder in einem Gemeinjahr ganz richtig am 28.2. feiern - aber im Gemeinjahr sollten auch alle am 25., 26., 27. und 28. Februar Geborenen ihren Geburtstag einen Tag früher feiern!

In [3] ist eine Tabelle [Nummerierungsfehler ist hier behoben] der Tagnamen im Gemeinjahr und im Schaltjahr gegeben. Dabei gibt es "Sonntagsbuchstaben", die es erleichtern, den Wochentag zu berechnen. Der 1. Januar ist z. B. "A", also hat der IV a. Kal. Mart.  immer denselben Wochentag wie der 1. Januar.

GemeinjahrSchaltjahr
23. Februar e - VII a. Kal. Mart23. Februar e - VII a. Kal. Mart.
24. Februar f - VI a. Kal. Mart.24. Februar f - VI a. Kal. Mart.
25. Februar f -
25. Februar g - V a. Kal. Mart.26. Februar g - V a. Kal. Mart.
26. Februar A - IV a. Kal. Mart.27. Februar A - IV a. Kal. Mart.
27. Februar b - III a. Kal. Mart.28. Februar b - III Kal. Mart.
28. Februar c - pridie Kal. Mart.29. Februar c - pridie Kal. Mart.
1. März - d Kal. Martii 1. März d - Kal. Martii

Es hat sich aber über die Jahre herausgestellt, dass der julianische Kalender doch etwas zu viel des Guten tat. Er hat in 400 Jahren 100 Schaltjahre angesetzt, aber tatsächlich ist das Jahr eher 365 97/400 Tage lang, also bedarf es nur 97 Schaltjahre alle 400 Jahre. Über die Jahre haben diese überschüssigen Schaltjahre dazu geführt, dass das Osterfest - eigentlich ein Frühlingsfest - sich immer weiter Richtung Sommer verschob.

Es wurde so schlimm, dass 1582 der Papst Gregor XIII verfügte, dass 10 Tage - die Extraschalttage - aus dem Kalender zu streichen waren. Auf den 4. Oktober 1582 folgte daher der 15. Oktober 1582. Dieser gregorianische Kalender bestimmte, dass nur diejenigen Jahre Schaltjahre sind, die durch 4, aber nicht durch 100 teilbar sind, wobei die durch 400 teilbaren Jahre (z.B. 1600, 2000) doch noch einen Schalttag haben.

Katholische Länder wie Italien, Frankreich und Spanien haben diese Zeitumstellung sofort mitgemacht. Andere, vor allem protestantische Länder, haben die Umstellung zu ganz anderen Zeitpunkten vollzogen und mussten entsprechend noch auf weitere Tage verzichten. Erst 1927 zum Beispiel hat die Türkei den gregorianischen Kalender eingeführt [4]!

Schweden hat sich sogar das Chaos erlaubt, sich einen "schleichenden Übergang" zu verordnen: Man wollte von 1700 bis 1740 einfach alle Schaltjahre weglassen. Leider wurde der Beschluss vergessen und zweimal doch noch ein Schalttag eingeschoben. Dies führte dazu, dass Schweden weder mit dem julianischen noch dem gregorianischen Kalender im Einklang war! 1712 beschloss man, das Chaos zu beenden und zum julianischen Kalender zurückzukehren. Dazu wurden aber 2 fehlende Schalttage benötigt - also wurde kurzerhand der 30. Februar eingeschoben! 1753 strich man dann auf einen Schlag 11 Tage und ging zum gregorianischen Kalender über [4].

Durch die Schaltjahrregelung des gregorianischen Kalenders haben wir erst mal Ruhe in der Frage der Jahreslänge. Es ist natürlich wahr, wie z.B. der Astronom John Herschel (1792-1871) aufgezeigt hat, dass eine noch bessere Annäherung an die Jahreslänge eigentlich 365 969/4000 Tage oder 365.24225 Tage wäre. Damit sollten wir alle 4000 Jahre auf ein weiteres Schaltjahr verzichten, z. B. sollte 4000 doch kein Schaltjahr werden [5]. Aber das ist so lange hin, es gibt noch keine offizielle Regelung dafür. Wenn die Erde dann noch existiert, sollte es vielleicht ein ganz besonderer Feiertag werden!

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[1] Jürgen Malitz, Die Kalenderreform Caesars. Ein Beitrag zur Geschichte seiner Spätzeit. Erschienen in: Ancient Society 18, 1987, S. 103 - 131, zitiert nach http://www.gnomon.ku-eichstaett.de/LAG/kalender.html

[2] Claus Tøndering, The Christian Calendar - Frequently Asked Questions. Abschnitt 2.7.1. http://www.tondering.dk/claus/cal/node3.html

[3] Nikolaus A. Bär, "Der Schalttag", http://www.nabkal.de/schalttag.html

[4] Claus Tøndering, Abschnitt 2.2.4

[4] Claus Tøndering, Abschnitt 2.2.2

     
 

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