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IETF

 

Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit der Internet Engineering Task Force, IETF.

     
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Plagiat?!
Die Regulierung des Netzes: Die Internet Engineering Task Force

Die Internet Engineering Task Force gilt als wichtigste Regulierungsinstanz im Internet. Viele, wenn auch längst nicht alle de facto Standards, die zusammen das Internet konstituieren, stammen aus ihren Arbeitsgruppen. Einigkeit besteht in der Community, dass die IETF angesichts der Komplexität des Netzes nur noch Teilbereiche seiner technischen Entwicklung betreuen kann. Welche Teile das sind, warum manche Normierungsprojekte in die IETF hinein, andere dagegen aus ihr heraus „migrieren“, kann vermutlich niemand sagen.

Außerhalb der Netzwelt ist die Existenz der "non-governmental governance of the Internet" (Baer 1996) jedoch weitgehend unbekannt. Das gilt vor allem für Europa, wo bislang nur wenige Unternehmen oder Forschungseinrichtungen Interesse an einer Mitarbeit zeigen. Zum Teil wird das auf das ungewöhnliche Erscheinungsbild und die von offiziellen internationalen Standardisierungsgremien abweichende Organisationsform der IETF zurückzuführen sein. Die Internetgemeinde besitzt weder einen justitiablen Status, noch formale Mitgliedschaftsregeln. Als Mitglied kann und soll sich jeder verstehen, der die Mailinglisten der IETF abonniert oder an ihren Treffen teilnimmt. Netztechnische Kompetenz und praktisches Können vorausgesetzt steht die IETF jedem Interessenten offen. Die Ausschlußwirkung dieses Vorbehalts ist freilich nicht zu unterschätzen. Traditionell versteht sich die IETF als Elite in der technischen Entwicklung von Kommunikationsnetzen. Gesten der Überlegenheit und Geringschätzung anderer Standardisierungsgremien korrespondieren einer unübersehbaren Ungeduld gegenüber Inkompetenz in den eigenen Reihen.

Wie in frühen Tagen, als die Internetgemeinde noch klein und überwiegend akademisch war, gilt die Regel des "one man, one vote": Jeder spricht nur für sich selbst, nicht aber für die Organisation, in deren Auftrag er an der IETF mitwirken mag: "all participants in the IETF are there as INDIVIDUALS, not as companies or representatives thereof. (O'Dell, 1997)

Mehrheitsentscheidungen und Kampfabstimmungen sind verpönt. Es wird so lange diskutiert, bis sich ein breiter Konsens ("rough consensus") herausschält. Der Eindruck, daß es sich bei der IETF um eine technische Graswurzelgemeinde handelt, verstärkt sich, wenn man die Kleidungssitten der IETF betrachtet. T-Shirts, Shorts, Sandalen und die Abneigung gegen Anzüge und Krawatten spielen im Selbstverständnis der Internetcommunity eine so große Rolle, daß Neulinge explizit auf die Existenz des "dress codes" hingewiesen werden (vgl. RFC 1718). In den Konsensbildungs- und Kleidungsregeln manifestiert sich eine programmatische Haltung der Technikergemeinde zum Internet. Aus Sicht der Ingenieure spiegelt sich im Internet eine Tradition der Technikentwicklung, in der diejenigen entscheiden, die auch selbst Hand anlegen, will sagen: Programmcode schreiben. Anzüge und Krawatten symbolisieren demgegenüber eine Arbeitsteilung, in der die Entscheidungsgewalt bei Management und Marketing liegt. Das Internet, so die Vorstellung der Techniker, soll von Technikern regiert werden.

Governance im Internet soll sich allein auf die Anerkennung von Verfahren und Produkten stützen. Die Qualität eines Standards hat nach Auffassung der Techniker über dessen Durchsetzung zu entscheiden. Inzwischen ist die einstmals überschaubare Gemeinde auf mehrere Tausend, überwiegend in der Internetbranche beschäftigte Ingenieure angewachsen. Traf man sich in den Gründerjahren der Community noch in den Räumen von Universitäten, müssen heute mehrere Jahre im voraus die größten Konferenzhotels am Platze reserviert werden, um ausreichend Tagungsraum für die knapp 100 Arbeitsgruppen zur Verfügung zu haben. Unternehmen wie Cisco, IBM, Microsoft oder Sun, deren künftige Produkte von Internet Standards unmittelbar abhängen, schicken bis zu 40 Mitarbeiter zu den Treffen der IETF.

Im anhaltenden Wachstum der Internetgemeinde drückt sich eine Aufwertung der Netztechnik und mittelbar seiner Normungsgremien aus. Unternehmen haben die IETF als "Vehikel" zur Koordinierung innerhalb eines neuen Marktes entdeckt. Die Attraktivität der Internetgemeinde besteht aus Sicht der Unternehmen nicht zuletzt darin, daß die Standardentwicklung noch wenig von ihrem institutionellen Eigengewicht beeinträchtigt wird. Ihrer Größe und wirtschaftlichen Bedeutung zum Trotz, ist die IETF darum bemüht, an ihrer informellen Organisationsform und ihrer praktischen, auf funktionstüchtige Technik ausgerichteten Orientierung festzuhalten.

Auch auf der organisatorischen Ebene machen sich jedoch zunehmend Skalierungsprobleme bemerkbar. Ein Indiz dafür sind die expandierenden Arbeitsgruppen, in denen sich das Verhältnis zwischen aktiven Teilnehmern und passiven Beobachtern immer stärker in Richtung letzterer verschiebt. Die populären Arbeitsgruppen müssen ihre Treffen inzwischen in den großen Ballsälen der amerikanischen Hotels abhalten. Diskussionsbeiträge mutieren unter solchen Umständen zu Präsentationen, und eine ernsthafte Arbeitsatmosphäre will sich kaum mehr einstellen.

Wie in der Standardentwicklung, findet sich auch für dieses Wachstumsproblem eine pragmatische Lösung. Die einstigen Arbeitstagungen der IETF durchlaufen einen Bedeutungswandel. Vor allem die großen Arbeitsgruppen entwickeln nach und nach den Charakter von Präsentationsveranstaltungen, die dazu dienen, ein breites Publikum schweigender Beobachter über den aktuellen Stand der Dinge und die noch offenen Fragen zu informieren. Die eigentliche Entwicklungsarbeit aber verlagert sich aus den Arbeitsgruppen in sogenannte "design teams" (vgl. Bradner 1998). Dabei handelt es sich um kleine, nicht öffentlich arbeitende Gruppen von rund drei Personen, die entweder vom "chair" einer Arbeitsgruppe kooptiert werden oder sich selbst konstituieren. Die Bildung von design teams läßt sich als Versuch verstehen, unter Ausschluß der Öffentlichkeit die Arbeitsbedingungen der frühen Tage, als noch alle Mitglieder um einen Tisch passten, wieder herzustellen. Typischerweise erstellen design teams erste Entwürfe (in der Form von Internet drafts), die dann in den Arbeitsgruppen zur Diskussion gestellt werden.

Auch wenn die Gemeinde ihren Aufstieg zum einflußreichen Standardisierungsgremium augenscheinlich zögerlich und widerwillig nachvollzieht, mehren sich doch die Anzeichen für eine wachsende Formalisierung ihrer Entscheidungsstrukturen. Sitten und Regeln ("process issues", vgl. RFC 1396), die früher mündlich weitergegeben wurden, durchlaufen nun häufiger den gleichen Standardisierungsprozeß, der bislang technischen Konventionen vorbehalten war: Eine Arbeitsgruppe wird gegründet, eine Mailingliste eingerichtet, ein "chair" und ein "document editor" benannt und eine "charter" inklusive "milestones" formuliert (RFC 2026; 1998). Verstärkt worden ist die Tendenz zur Kodifizierung tradierter Organisationsformen in der IETF bemerkenswerterweise durch die Konflikte über die nächste Generation von IP. Das Skalierungsproblem des Internet wuchs sich zur Strukturkrise seiner Gemeinde aus.

 

Literaturhinweise 

Baer, Walter S., 1996: Will the Global Information Infrastructure Need Transnational (or Any) Governance? RAND/RP-603, reprinted from “National Information Infrastructure Initiatives: Visions and Policy Design, 532-552.

O’Dell, Mike, 1997: GSE – An Alternate Addressing Architecture for IPv6, Internet Draft. <draft-ietf-ipngwg-gseaddr-00.txt> RFC 1718: Malkin, Gary: „The Tao of IETF“. IETF Secretariat, November 1994. < http://www.ietf.org/rfc/rfc1718.txt>

RFC 1396: Crocker, Steve: The Process for Organization of Internet Standards Working Group (POISED), Januar 1993 < http://www.faqs.org/rfcs/rfc1396.html>

RFC 2026: Bradner, Scott: The Internet Standards Process – Revision 3, October 1996 <http://www.ietf.org/rfc/rfc2026.txt>

Websites 

www.ietf.org

www.isoc.org

     
 

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