Kurse über Plagiat
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4.7 Vorbeugen für die Zukunft

 

Was kann man tun, um in der Zukunft Plagiate zu vermeiden? Es gibt einige Autoren (z. B. Russel Hunt), die meinen, es sei nicht zweckmäßig, einfach Aufsätze zu bestimmten Themen schreiben zu lassen. Man sollte über Alternativen nachdenken, um die angestrebten Lernziele zu erreichen. Unten sind einige Denkanstöße aufgelistet.

     
 
     
  
  • Aufklären 
    Es ist sicherlich wichtig, dass man Lernende darüber aufklärt, was es bedeutet, Wörter zu "besitzen". Das schließt auch urheberrechtliche und ethische Fragestellungen mit ein. Wir müssen die Lernenden auch darüber aufklären, wie man Fußnoten macht, zu welchem Zweck, und wie man angibt, wo man bestimmte Ideen her hat. Es muss sowohl an Schulen als auch an Hochschulen immer wieder betont werden, wie man mit den Ideen und Worten von anderen umgeht. Man darf dies aber natürlich nicht als eine Reihe von "Verboten" anbringen, denn gerade junge Leute lassen sich oft von Verboten dazu animieren, etwas erst recht auszuprobieren.
  • Besondere Themen 
    Es scheint viele Standardthemen zu geben, die jahrein, jahraus immer wieder in Grundkursen gestellt werden. Es ist natürlich so, dass die Lernenden sich tatsächlich mit vielen grundlegenden Themen beschäftigen müssen, aber es kann lohnend sein, Abwandlungen oder Alternativen als Thema auszuschreiben. Natürlich würden einige Abwandlungen ein tieferes Verständnis des Faches voraussetzen und sich daher nicht für Neulinge eignen. Statt zum Beispiel einen Aufsatz über die Tetralogy von McLuhan zu verlangen, könnte man über deren Rezeption schreiben - das Problem ist nur, dass viele Leute nicht wüssten, wie sie an solch eine Fragestellung herangehen könnten. Wenn wir als DozentInnen aber z.B. zwei oder drei Links oder Literaturhinweise geben und als Aufsatz einen Vergleich dieser Werke verlangen, dann haben wir ein besonderes Thema gefunden, das vermutlich noch nicht in den Datenbanken zu finden ist!
  • Prozess-Portfolios 
    Ein sehr spannendes Verfahren kommt aus den USA, wo man beginnt viel mehr Wert auf den Prozess des Schreibens zu legen als ausschließlich auf das Endergebnis. Statt für einen Kurs nur einen Aufsatz abzuliefern, wird verlangt, dass die Lernenden die Zwischenschritte dokumentiert einreichen. Sie sollen z.B. erst einmal die Gliederung einreichen; dann eine erste, kommentierte Bibliografie (mit Angabe der Fundstellen und Signaturen); daraufhin eine erste Version des Textes, die von der Lehrkraft kommentiert wird, und schließlich wird der Endaufsatz eingereicht. Es ist klar, dass es nicht lange dauern wird, bis man auch "Prozess-Dokumente" bei den Aufsatzsammlungen gegen Aufpreis kaufen kann, aber man hat hiermit klarer dokumentiert, dass keiner sich einfach hinsetzt und druckreif schreibt, sondern dass man arbeiten muss, um einen Text klar und logisch zu strukturieren und zu formulieren.
    Man kann Prozess-Portfolios in vielen Fächern verwenden, auch in der Programmierung. Man kann verlangen, dass statt eines ablauffähigen Programms ein Dokument eingereicht wird, in dem die Entstehungsgeschichte (Analyse, Entwurf, Implementierung und Test) dokumentiert ist. Hierzu können Screenshots angefertigt werden, und es können Probleme dokumentiert werden, die es erlauben eine Note zu bekommen, obwohl man nichts zum Laufen gebracht hat.
     
 

Weitere Links 

  •  Russel Hunt, Four Reasons to be Happy about Plagiarism
  •  Lynn Andrea Stein hat in "Rethinking CS101" genau beschrieben, welche Anforderungen man bezüglich solcher Prozess-Portfolios für Programmierung stellen kann. Sie stellt genaue Anleitungen für Studierende zur Verfügung, wie sie ihre Berichte abfassen müssen.

     
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