Kurse über Plagiat
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3.2 Wie wird plagiiert?

 

Es gibt viele verschiedene Formen des Plagiats. Manche sind sofort klar als Plagiate zu erkennen, andere werden oft als Grauzonen angesehen, bei denen man darüber diskutieren kann, ob es sich um Plagiate handelt oder nicht. Die unterschiedlichen Formen werden in diesem Kapitel kurz vorgestellt.

     
 

     
 

  • Copy & Paste in toto   
    Es ist eigentlich kristallklar, dass so etwas ein Plagiat ist. Der Plagiator hat sich irgendwo bedient - eine Hausarbeitenbörse oder ein Buch - und Wort für Wort abgeschrieben. Der Autorenvermerk wird natürlich nicht übernommen, sondern ersetzt durch den eigenen Vor- und Nachnamen. Manche Leute stellen sich hierbei allerdings recht ungeschickt an und übernehmen auch Schreibfehler gleich mit, oder Formatierungen wie z. B. Links auf Webseiten, die dann als unvermittelte Unterstreichung in der Arbeit auftauchen.
  • Übersetzungsplagiat 
    Bei einem Übersetzungsplagiat wird ein geeigneter Text gefunden, der jedoch in einer anderen Sprache vorliegt, und der wird einfach übersetzt und als eigene Leistung eingereicht. Es gibt immer mehr automatische Übersetzungsdienste, z. B. Babelfish, die einem die Arbeit hierbei abnehmen. Diese Form des Plagiats scheint besonders im wissenschaftlichen Bereich sehr beliebt. Man hofft, eine ausreichend obskure Quelle gefunden zu haben, damit das Plagiat nicht auffliegt. Es gibt viele Berichte hinter vorgehaltener Hand über solche Plagiate auch bei Doktorarbeiten. Übersehen wird aber oft, dass gerade WissenschaftlerInnen sehr gerne sehr obskure Werke zum Thema aufspüren, daher sind recht viele solcher "Arbeiten" durchaus entlarvt worden, obwohl der Umgang damit selten öffentlich gemacht wird, sondern eher hinter verschlossenen Türen gehalten wird.
  • Shake & Paste 
    Es gibt eine Gewürzmischung in den USA, die "Shake 'n Bake" heißt. Man gibt die Gewürze in eine Plastiktüte, ein zerlegtes Hühnchen dazu, verschließt die Tüte und schüttelt sie gut durch. Dann werden die Teile in beliebiger Reihenfolge herausgenommen und auf ein Backblech gelegt. Das finde ich eine passende Analogie zu dieser Form des Plagiats: Es werden aus verschiedenen Quellen Abschnitte genommen (in der Regel Absätze), sie werden gut gemischt und dann scheinbar wahllos hintereinander zusammengefügt in der Hoffnung, alles erfasst zu haben und nicht aufzufallen.
    Es verwundert mich immer wieder, dass solche Plagiatoren sich nicht einmal die Mühe machen, ihre Arbeit einmal im Ganzen durchzulesen. Solche Arbeiten wirken oft wie ein bunter Flickenteppich, es gibt einen Fetzen hier und einen Fetzen dort, mit groben Stichen zusammengehalten. Solche Plagiate fallen auf durch Wechsel in der Schreibweise von Namen, oder durch Formatierungswechsel oder ein Satzniveau, das sich von Absatz zu Absatz verändert. Wechselt eine Arbeit zwischen bestem Konjunktiv mit vielen Fremdwörtern und einfachen Sätzen mit Rechtschreibfehlern hin und her, sollte man untersuchen, ob es sich um ein Plagiat handelt.
  • Halbsatzflickerei 
    Diese Art des Plagiats ist recht viel Arbeit - man fragt sich manchmal, ob es für den Plagiator nicht einfacher gewesen wäre, den Aufsatz einfach ganz neu zu schreiben. Hier werden Sätze und Halbsätze aus verschiedenen Quellen genommen und etwas "bearbeitet". Eine Aufzählung wird umgestellt, ein Wort durch ein Synonym ersetzt, ein Halbsatz dazwischen geschoben, oder der ganze Satz auf den Kopf gestellt, damit es nicht sofort auffindbar ist. Manche Leute schaffen es sogar, aus mehreren Quellen einen recht passablen Aufsatz zusammenzunähen, aber es ist und bleibt ein Plagiat, weil es nicht in eigene Worte gefasst ist.
  • Strukturübernahme 
    Die Strukturübernahme ist eine der umstrittensten Formen des Plagiats. Der Plagiator hält sich an die Reihenfolge von Argumenten oder Gedanken, die ein anderer Autor verwendet hat, aber gibt sie in eigenen Worten wieder. Ist das nun Plagiat oder nicht? Wenn man die geistige Leistung als das Produkt des Urhebers sieht, dann ist auch dies ein Plagiat, denn man macht sich nicht die Mühe, eine eigene Struktur zu schaffen, sondern verwendet ohne Nennung oder Kennzeichnung die Struktur eines anderen. Etliche wissenschaftliche Streitfälle (die auch mehr oder minder öffentlich ausgetragen werden) basieren auf genau dieser Art des Plagiats. A wirft B vor, sein Werk plagiiert zu haben. B verteidigt sich, es gebe keine wortwörtlichen Übernahmen. Es ist aber mehr oder minder klar zu sehen, dass die Arbeiten durchaus eine einheitliche Struktur haben.
  • Bei Programmen: gebundene Umbenennungen 
    In Programmierfächern gibt es eine besondere Art des Plagiats bei Programmierübungen. Da Studierende der Meinung sind, dass eine buchstabengetreue Übernahme evtl. auffallen könnte, machen sie sich die Mühe, die Variablen umzubenennen. In der Programmiersprachenlehre nennt man dieses Verfahren eine gebundene Umbenennung, und es hat in der Tat keine Auswirkung darauf, was das Programm tut. Was die Plagiatoren aber oft übersehen ist, dass Programmiersprachenlehrkräfte eher in Strukturen denken als in Variablennamen, also nicht so sehr auf Syntax achten. Daher fliegen solche Versuche - auch diejenigen, die Kommentare streichen oder hinzunehmen - oft auf. Es gibt aber auch inzwischen etliche  Programme, die Hilfestellungen geben können, Übungen zu finden, die sich allzu ähnlich sind.

     
 

Weitere Links 

  •  Babelfish
  •  Mit Fremden Federn. Gerhard Fröhlich. Ein Versuch über geistige Diebstähle, ihre geläufigsten Formen, Möglichkeiten der Verhinderung und Schäden für die Forschung

     
 

     
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