Kurse über Plagiat
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2.2 Plagiat in der Kunst

 

Es ist recht schwierig, Plagiat in der Kunst zu definieren, denn es gibt viele verschiedene Formen der Kopienanfertigung in der Kunst, die nicht unbedingt etwas mit Ideendiebstahl zu tun haben.

     
 
     
Ausstellung in Schweden

Das schwedische Nationalmuseum bot vom 26.2.2004-23.5.2004 eine pädagogische Ausstellung mit dem Titel "Fälskt & Äkta" (Falsch & Echt) an, in der die verschiedenen Formen der Kopienanfertigung in der Kunst dargestellt wurden. Sie bietet ein interessantes Definitionsschema:

     
  
  • Original 
    Es ist in der Kunst oft schwer zu sagen, was ein Original ist. Es gibt Studien, erste Entwürfe, Mehrfachdrucke oder -abgüsse. Manchmal hat ein alter Meister nur eine Skizze angefertigt, ein Schüler hat das Werk ausgeführt, und der Meister hat ein wenig retuschiert, bevor er signiert hat. Es gibt also keine rechte Vorstellung davon, was eigentlich ein Original sein soll!
  • Fälschung 
    Eine Fälschung ist jedes Kunstwerk, das mit der Absicht erstellt wird, die Illusion zu wecken, dass dieses Werk eine andere Herstellungsgeschichte als die wirkliche hat.
  • Kopie 
    Eine Kopie ist eine andere oder sehr ähnliche Version eines früheren Werks. Eine Kopie wird von jemand anderem als dem Urheber erstellt. In früheren Zeiten machte man gewöhnlich auch Kopien zu Dokumentations- und Studienzwecken.
  • Pastische 
    Ein Pastische ist ein Kunstwerk, das im Stil oder in der Ausführung von einem älteren Werk oder Stil inspiriert wird. Ein Künstler kann malen "wie Rembrandt", aber immer noch mit dem eigenen Namen unterschreiben. Ein Pastische kann auch Details von unterschiedlichen Kunstwerken borgen und sie auf eine neue Art und Weise zusammenstellen. Ein Pastische ist immer echt, aber kann von Fälschern missbraucht werden.
  • Plagiat 
    Ein Plagiat ist der Diebstahl von Ideen anderer Künstler oder Designer, die dann als etwas Eigenes ausgegeben werden. Ein Plagiat ist das genaue Gegenteil einer Fälschung. Ein Fälscher gibt sein Werk als das Werk eines anderen aus, ein Plagiator gibt das Werk anderer als sein eigenes aus.
  • Replik 
    Eine Replik ist, wenn ein Künstler eine neue Version des eigenen Werks erstellt. Das kann auch durch Mitarbeiter geschehen, aber der Künstler muss die Arbeiten überwachen.
  • Paraphrase 
    Eine Paraphrase ist eine freie Variation oder Interpretation eines Kunstwerks. Der Unterschied zum Original muss aber so klar sein, dass man die Paraphrase nicht mit dem Original verwechseln kann.
  • Appropriation 
    Appropriation (nach dem englischen Begriff appropriate  : annektieren, aneignen, anpassen) ist ein Terminus in der Gegenwartskunst, der angewendet wird, wenn ein Kunstwerk eine exakte Wiedergabe eines anderen Kunstwerks ist, aber unter dem Namen des appropriierenden Künstlers. Material und Technik müssen nicht notwendigerweise übereinstimmen.  
     
Han van Meegeren

Es gibt viele Geschichten, die über Plagiate in der Kunst erzählt werden. Eine sehr spannende handelt von Plagiaten des holländischen Meisters Vermeer (1632-1675). In den 30er-Jahren beschloss ein holländischer Maler, Han van Meegeren, Rache zu nehmen. Er fühlte sich unbeachtet und meinte, mindestens genauso gut zu sein wie Vermeer, der den Details seiner Bilder extrem viel Aufmerksamkeit widmete. Van Meegeren begann, "verloren gegangene" Vermeers zu malen, die so gut waren, dass sogar Vermeer-Experten sie als echt klassifizierten. Er fand viele Kunden, unter anderem auch Hermann Göring, der im Auftrag Hitlers eines der Bilder erwarb.

     
 

Nach dem Krieg gab es aber Probleme: van Meegeren wurde angeklagt wegen Kollaboration mit den Nazis. Seine Verteidigung: das waren nur Fälschungen. Er wurde ins Gefängnis gesteckt und bewies dort, dass er sehr gut Vermeer fälschen konnte. Daraufhin wurde er nur wegen Kunstfälschung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, statt wegen Hochverrats, was unter Umständen die Todesstrafe nach sich gezogen hätte. Diese Begebenheit führte dazu, dass man glaubte, Werke wie "Junge Frau am Virginal" seien Plagiate. Erst 2004 wurde das nur 20 x 25 cm große Stück - inzwischen für echt befunden - für 4,5 Millionen Euro versteigert.

     
 

Weitere Links 

  • Fälskt & Äkta. Görel Cavalli-Björkmann (Ed.) Nationalmuseet : Stockholm. 2004. ISBN 01-7100-688-5 (auf Schwedisch mit einer englischen Zusammenfassung).
  •  Online Exhibition Fälskt & Äkta mit Selbsttest und Informationen über Kunstfälschung (nur auf Schwedisch)
  •  Forgery in Art, Yahoo
  • Falsch oder echt? Der Fall Van Meegeren. Sepp Schüller. Bonn: Auer 1953.
  •  Han van Meegeren. Wikipedia

     
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